Ausbildungsberuf: Baumschuler/in

Baumschuler/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf.

 

Die offizielle Berufsbezeichnung lautet: Gärtner/in Fachrichtung Baumschule. Während der 3-jährigen Ausbildung besuchen Baumschuler/innen wie andere Auszubildende auch die Berufsschule. Die theoretische Ausbildung findet im ersten Ausbildungsjahr an zwei Wochentagen, im zweiten und dritten Ausbildungsjahr einmal wöchentlich statt. Unterrichtet werden Baumschuler/innen zusammen mit den Azubis anderer Fachrichtungen des Gärtnerberufs. Vor der Ausbildung empfehlen wir, ein Praktikum zu absolvieren. Um einen Ausbildungsplatz bewerben sollte man sich bereits ein halbes Jahr vorher.

 

Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Pflanze.

Interessierte sollten
• Freude am Umgang mit der Pflanze haben,
• technisch interessiert sein und handwerkliches Geschick haben
• über kaufmännisches Grundverständnis verfügen,
• sich den Umgang mit Kunden zutrauen,
• die Lust auf das Arbeiten im Freien mitbringen,
• die notwendige körperliche Konstitution vorweisen
• den unterschiedlichen Witterungseinflüssen standhalten

Arbeitsplatz Baumschule

Wir produzieren auf 16 ha mit modernsten Maschinen und Geräten und dennoch gehört sehr viel „Handarbeit“ zur Bewältigung der Aufgaben. Unsere Stärke liegt in der Vielfalt des Sortiments beispielsweise werden verschiedene Gehölze herangezogen – Obst- und Alleebäume, Nadel- und Wildgehölze, Heckenpflanzen und Bodendecker sowie Rosen.

Baumschuler/innen sind Pflanzenspezialisten

In den Baumschulen werden 2000 verschiedene Pflanzensorten und -arten kultiviert. Der Katalog, in dem alle Pflanzen nach Größe und Qualität geordnet sind, umfasst sogar weit über 100.000 Positionen. Doch Baumschuler/innen kennen sich nicht nur mit diesem immensen Pflanzenreichtum bestens aus. Mit Hilfe der Kulturtechniken, die sie anwenden, erhalten sie ihn auch und tragen zu seiner Vergrößerung bei.

 

 

Im Dienste der Natur arbeitend

Je mehr die Natur durch die technische Entwicklung in Mitleidenschaft gezogen wird, desto wichtiger wird die Arbeit der Baumschuler/innen. Durch das zunehmende Umweltbewusstsein wird es in diesem Beruf auch in Zukunft viel zu tun geben: Mit den Produkten aus der Baumschule können bedrohte Landschaften erhalten und zerstörte Natur rekultiviert werden. Und das gilt von großflächigen Landschaften über Parks und Grünanlagen in den Städten bis hin zum Kleinbiotop eines Privatgartens.

Kreativ und vielseitig

Baumschuler/innen wissen genau über die Verwendungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Gehölze Bescheid. Sie können allen Käufern – vom Hobbygärtner bis zum Großkunden – beratend zur Seite stehen. Auf diese Weise gestalten Baumschuler/innen die Umwelt durch ihre Ideen und Produkte mit.

Was, wann, wie, wo ...

1. Ausbildungsjahr

Praxis (Baumschule)
• Pflanzenarten und Sorten bestimmen,
• Vermehrungsarbeiten,
• Bodenlockerung und mechanische Unkrautbekämpfung,
• Topfen, Pflanzen und Aufschulen,
• Arbeiten mit Handgeräten und deren Wartung.


Theorie (Berufsschule)
• allgemeines Gärtnerwissen, wie z.B. Pflanzen- und Bodenbiologie, Ökosysteme
• Wirtschaftspolitik und Pflanzenvermehrung.

Vergütung
• 590 EURO

2. Ausbildungsjahr

Praxis (Baumschule)
• Veredelung und andere Arbeiten an der Pflanze,
• Wachstumsbedingungen und Wachstumsregulatoren,
• Einsatz und Wartung von Geräten, Maschinen und anderen technischen Geräten,
• Materialkunde,
• Roden von Hand und mit Maschinen,
• Ballieren sowie manuelles und maschinelles Sortieren,
• Verpacken, Kennzeichnen und Verladen.


Theorie (Berufsschule)
• Vertiefungsunterricht mit Pflanzenschutz und Düngelehre.

Vergütung
• 650 EURO

3. Ausbildungsjahr

Praxis (Baumschule)
• Vermehrungsarten, Kultur- und Pflegemaßnahmen
• Erkennen von Störungen an Maschinen und betriebsübliche Reparaturen
• Werkstoffe und Hilfsmittel
• Rodetermine und -methoden
• Sortierverfahren, -vorschriften und Qualitätsnormen
• Lagerung und Absatz
• Beschaffung und Ausführung von Aufträgen


Theorie (Berufsschule)
• fachspezifische Ausbildung mit Baumschultechniken,
• Veredelungen

Vergütung
• 710 EURO

Abschlussprüfung

Sie besteht aus einem praktischen, schriftlichen und mündlichen Teil:
In der praktischen Prüfung sind Arbeiten an der Pflanze zu planen, vorzubereiten und durchzuführen.
In der schriftlichen und mündlichen Prüfung müssen Fragen zu Pflanzenkenntnissen, betrieblichen Zusammenhängen und aus der Wirtschafts- und Sozialkunde beantwortet werden.

Eine nicht bestandene Prüfung kann zweimal wiederholt werden.

Voraussetzung für die Ausbildung

Im Jahr 1972 wurde der Beruf "Gärtner/ Gärtnerin" staatlich anerkannt. 1997 wurde das Berufsbild in aktualisierter Form verabschiedet. Als Gärtner kann man sich für 7 Fachrichtungen entscheiden:
• Baumschule
• Friedhofsgärtnerei
• Garten- und Landschaftsbau
• Gemüsebau
• Obstbau
• Stauden
• Zierpflanzenbau

Voraussetzung zur Erlernung des Berufes "Gärtner / Gärtnerin" der Fachrichtung "Baumschule" ist im Hinblick auf die Anforderungen mindestens ein Haupt- oder Realschulabschluss. Höhere schulische Qualifikation erleichtert darüber hinaus die Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung und verbessert die beruflichen Aufstiegschancen und kann zur Verkürzung der Ausbildung beitragen.

 

Ausbildungbeginn:
In der Regel am 1. August jedes Jahres.

 

Die Tätigkeiten im Überblick:

 

 

• Kultur der Gehölze planen und Flächen einteilen 
• Bodenbearbeitung und -pflege 
• Gehölzvermehrung und -veredelung 
• Gehölze von der Jungpflanze bis zur Verkaufsreife kultivieren
• Wachstum beobachten und dokumentieren 
• Gehölze roden, sortieren und kennzeichnen 
• Gehölze transportieren und für den Versand verpacken 
• Maschinen und technisches Gerät bedienen und warten 
• Produkte präsentieren und verkaufen 
• Kunden beraten 

 

 

Tätigkeiten in der Baumschule

Lagerung
Vor dem Verkauf oder der Pflanzung müssen die Gehölze fachgerecht gelagert werden. Damit sie nicht beschädigt werden, wird generell besonders darauf geachtet, dass Triebe und Äste, Krone und Stamm sowie die Wurzeln intakt bleiben. Dies gilt sowohl für die Lagerung im Einschlag als auch im Kühlhaus, wo zusätzlich auf gleich bleibende Temperaturen und Feuchtigkeit geachtet werden muss.

Pflanzarbeiten 
Jungpflanzen werden im Frühjahr und zu Teilen im Herbst in den vorbereiteten Boden oder in Container gepflanzt. Mit Hilfe verschiedener Pflanzmaschinen lässt sich diese Arbeit sehr rationell erledigen. Die Wurzel muss dabei tief genug und gerade in den Boden gebracht werden. Danach wird die Erde angetreten oder angedrückt und die Pflanze auf diese Weise im Boden fest verankert. Im Freiland werden die Reihen mit Erde angehäufelt und der Boden zwischen den Gehölzreihen mehrfach gelockert.

Pflanzenschutz 
Pflanzenschutz ist notwendig, um einem Befall der Gehölze mit Krankheiten und/oder Schädlingen vorzubeugen. Gemäß Pflanzenschutzgesetz wird der Einsatz chemischer Mittel dabei auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt. In der Baumschule wird integrierter Pflanzenschutz betrieben, eine Kombination von biologischen, kulturtechnischen, chemischen und physikalischen Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel der Anbau besonders widerstandsfähiger Gehölzarten und -sorten, eine bedarfsgerechte Düngung und der aktive Schutz von Nützlingen.



 


  Roden 
Für fast jede Gehölzart gibt es inzwischen eine passende Rodemaschine. Beim Roden muss auf den Erhalt eines ausreichend großen Wurzelwerkes geachtet werden, um ein Weiterwachsen des Gehölzes am neuen Standort gewährleisten zu können.


Schneiden
Das Schneiden von Bäumen und Sträuchern fördert und reguliert ihr Wachstum. Es muss sehr sorgfältig und exakt ausgeführt werden. Da jede Pflanze anders wächst, sind auch für den Schnitt bei jedem Gehölz andere Kriterien zu beachten: Bei manchen Pflanzen muss der Leittrieb freigestellt, bei anderen die Seitentriebe eingekürzt und bei wiederum anderen die Baumkrone angeschnitten werden.

Sortieren
Bereits im Gehölzquartier oder nach dem Roden werden die Maße der Gehölze erfasst und beim Sortieren festgelegten Qualitätskriterien zugeordnet.

 

 

Topfen 
Teilweise werden Jungpflanzen in Töpfe und Container gepflanzt. Die Pflanzenbehälter müssen zunächst mit einem Substrat gefüllt werden, das aus unterschiedlichen Erden und Zuschlagsstoffen gemischt wird. Zum Abfüllen werden Maschinen eingesetzt. Umfassen die Behältnisse mehr als zwei Liter Substrat, spricht man von Containern. In den Baumschulen ist die Kultur von Gehölzen in Containern in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen.


Transport
Gehölze werden immer kurzfristiger von den Verbraucher/innen bestellt. Deshalb wird die Versandzeit durch den Einsatz moderner Geräte verkürzt. Verschiedene Ladehilfen sorgen zum Beispiel dafür, dass die Gehölze beim Verladen geschont und pflanzengerecht verstaut und transportiert werden.

Veredelung
Veredelung ist eine besondere Form der Pflanzenvermehrung. Dabei wird – als eine mögliche Methode – ein schräg angeschnittener Pflanzenspross auf einen am Wurzelhals ebenfalls schräg angeschnittenen Sämling gelegt und mit einem Gummiband fixiert. Baumschuler/innen wissen, welche Pflanzsprosse auf welche Sämlinge veredelt werden können. So können die besonderen spezifischen Eigenschaften einer Pflanze wie etwa Blütenfarbe oder Wuchsform erhalten werden.

Verkauf
Die kultivierten Pflanzen werden von einem Großteil der Baumschulen direkt an die End-verbraucher/innen abgesetzt. Den Kund/innen wird dabei in den Facheinzelhandels-Baumschulen ein spezielles Einkaufserlebnis geboten: Sie können sich direkt vor Ort über die Kultur der Gehölze informieren. Weil die Pflanze vielfach ohne Zwischenstation den Weg direkt vom Feld in den Garten des Kunden findet, ist hervorragende Qualität sicher gestellt. Ein großer Teil der Gehölze wird an gewerbliche Abnehmer und die Öffentliche Hand (Behörden, Kommunen etc.) geliefert. Großhandels-Baumschulen übernehmen die Zusammenstellung und Abwicklung der zumeist umfangreichen Aufträge.

Vermarktung 
Die Verbraucher/innen erwarten eine anspruchsvolle Präsentation der Ware. Von den Baumschuler/innen im Einzelhandel ist daher viel Kreativität gefordert: Um die Attraktivität des Betriebs zu erhalten, müssen immer wieder neue Ideen entwickelt werden, zum Beispiel besondere Verkaufsaktionen. Will man neue Kunden werben und binden, müssen solche Aktionen mit unterschiedlichen Themen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Vermehrung 
Grundsätzlich wird bei derVermehrung von Pflanzen zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung unterschieden. Neben der Aussaat, der einzigen Form geschlechtlicher Vermehrung, zählt zum Beispiel Stecklingsvermehrung zu den ungeschlechtlichen Vermehrungsformen. Sie spielt gerade bei Nadelgehölzen eine wichtige Rolle: Ein Trieb der Pflanze wird abgeschnitten und in besonders aufbereitetes Substrat gesteckt. Die Anzucht erfolgt unter kontrollierten klimatischen Bedingungen, damit dieser Trieb Wurzeln bilden und sich zu einer neuen Pflanze entwickeln kann.

Versand
Der Versand ist die letzte Tätigkeit, bevor das fertige Gehölz die Baumschule verlässt: Nachdem die Pflanzen im Freiland gerodet, sortiert, gebündelt und zum Hofplatz gefahren wurden, werden sie auf LKWs verladen. Bei großen Gehölzen wie Alleebäumen, Solitärs und bei Gehölzen im Container werden dabei Gabelstapler eingesetzt.

Verschulen
Zur Erzeugung qualitativ hochwertiger Gehölze werden die Pflanzen in regelmäßigen Abständen verschult, also verpflanzt. Vor dem Verschulen werden Wurzeln und Triebe eingekürzt. Dadurch bekommen Bäume und Sträucher einen kompakten Wuchs. „Verschult“ wird im Frühjahr und auch im Spätherbst. Wenn aus den Jungpflanzen beispielsweise nach zwei Jahren fertige Sträucher oder Heckenware entstanden sind, werden sie entweder verkauft oder zu Solitärgehölzen und Alleebäumen weiter kultiviert.

Wässerung
Das fachgerechte Bewässern der Gehölze – insbesondere in den trockenen Witterungsperioden – gehört zu den wichtigsten Aufgaben. Bei Containergehölzen, die nur über ein geringes Erdvolumen verfügen, ist das richtige und kontinuierliche Wässern qualitätsbestimmend. Witterungsabhängig gesteuerte Beregnungsanlagen helfen bei der Versorgung der Gehölze.

 

Züchtung

Bei der Züchtung werden zwei Sorten gekreuzt. Ziel: Die hervorragenden Eigenschaften beider Eltern sollen in einer neuen Sorte kombiniert werden. Dafür wird Blütenstaub der Vatersorte mit einem Pinsel auf die Narben der Muttersorte aufgebracht und die Blüten vor Insekten (Fremdbestäubung) geschützt. Eine neue Sorte ist dann entstanden, wenn ihre Eigenschaften besser sind als die der bereits vorhandenen Sorten. Außerdem muss sie sich unter verschiedenen Standortbedingungen gut entwickeln.

Quelle: BdB



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